Ein Lebensbild aus Mitteldeutschland

Christine Baumgarts Roman:
"Es ist ein Mädchen" 
Mit diesem Begrüssungssatz  aus der Hebammenpraxis überschreibt Christine Baumgart ihren eben erschienenen Roman. Der Titel umschreibt zwei Daseinsstränge der Zentralfigur Franziska:
Zum einen erleben wie deren Werdegang durch Kindheit, Jugend, Ehe und Beruf, und zwar vorwiegend aus der Auseinandersetzung mit dem ihr zugewiesenen Rollenverhalten als Mädchen und Frau. Zum anderen erleben wir sie in ihrem Beruf als Hebamme. Sie weiß sich Disziplin, Einsatz, ja Aufopferung verpflichtet, ebenso wie sie sich in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter gefordert fühlt. Ja, man könnte meinen, ohne diese Aufgaben wäre ein Leben für sie leer und öde. Die Konflikte, in denen sie sich oft und dann immer häufiger wiederfindet, entstehen dort, wo Rollenverhalten zum Ritual erstarrt, wo Phrasen, ja Verlogenheit die Beziehungen an der Arbeitsstätte, in der Familie, im Freundeskreis aushöhlen.
Der Roman beginnt mit der Schilderung von Kindheit und Schulzeit in einer anhaltischen Kreisstadt. Treffsicher wird uns das Klima und die Lehrerschaft einer Oberschule in den sechziger und siebziger Jahren vorgestellt. Man kann der Versuchung kaum widerstehen, die handelnden Personen auf die eigene Schulzeit zu übertragen, so treffend ist dieses die DDR -Schullandschaft prägende System von Borniertheit, politischer Willfährigkeit und Unterwerfung eines Teils der Lehrerschaft, aber auch von offener und heimlicher Sympathie, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft geschildert.
Wie viele Schüler empfindet auch sie das Hineingehen in den Beruf a1s Erlösung. Erfolgreich kann  sie ihre Ausbildung als Hebamme abschließen und geht in ihrem Beruf regelrecht auf. Neben den Darstellungen eines typischen DDR-Alltages mit seinen kleineren und größeren Reibereien mit der Krankenhaushierarchie und der allgegenwärtigen und nervenden Politik, schildert die Autorin sehr anschaulich, was das Leben in der DDR eigentlich für die meisten Menschen ausmachte: ein Geflecht von Freundschaften. Bekanntschaften, Verwandtschaften.
Dem wenigstens zeitweise zu entfliehen und gleichzeitig die Sehnsucht nach der großen weiten Welt zu stillen, reiste man ins benachbarten Polen oder gar nach Ungarn. Solche Zeiten wurden mit einer Intensität gelebt, wie es für Abstinente charakteristisch ist.

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